Die Geschichte des AEG-Geländes

Wo einst Maschinen vom Band liefen und inzwischen Hallen leer stehen, eröffnet im November mit der „Kulturwerkstatt Auf AEG“ eine kulturelle Einrichtung, die ein weiterer Baustein bei der Wiederbelebung des ehemaligen Industriegebietes ist.

Aufstrebende Industrie Anfang des 20. Jahrhunderts
Anfang des 20 Jahrhunderts war das Gelände neben der Fürther Straße ein betriebsames Produktionsareal. Ab 1914 produzierten die „Bing Werke" hier Blechspielzeug und ab 1917 Haushaltsgeräte. Aus der Elektroabteilung von Bing wurde eine selbstständige Tochtergesellschaft, die sich zum Marktführer für Elektrogeräte in Deutschland entwickelte. „Elektro Bing“ fusionierte 1921/22 mit der in Berlin gegründeten „Allgemeinen Elektrizitäts Gesellschaft AEG“ zur „Elektrobeheizungs GmbH“ mit Sitz in Nürnberg. Man begann ab 1922 mit dem Abbruch der meisten Gebäude.

1950 wurde die erste AEG-Haushalts-Waschmaschine produziert. Nach den Kriegsjahren arbeiteten 1.660 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Firma. Der Verkauf von elektrischen Haushaltsgeräten wuchs rasant. 1954 sind die Gebäude an der Fürther Straße errichtet worden.

1955 wurden von Nürnberg aus 255.000 Waschmaschinen verkauft – zehn Mal so viele als drei Jahre zuvor. AEG beschäftigte 1955 in Nürnberg bereits 3.675 Mitarbeitende.

In den 1970er Jahren begann der Niedergang
AEG hatte 1978 in Nürnberg noch 5.303 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, geriet mit den weltweit 178.000 Beschäftigten aber in die Krise. Es folgten Neuorganisationen und Umgruppierungen des Konzerns. Die schwedische Firma Electrolux übernahm „AEG Hausgeräte“ im Jahr 1994.

2005 fiel trotz vieler Bemühungen der Stadt Nürnberg und etlicher Streiks der Belegschaft die Entscheidung: die Schließung des Werkes in Nürnberg und Verlagerung der Produktion nach Polen wurde bekanntgegeben. Noch bis 2007 liefen die Waschmaschinen von Electrolux über das Band. Am 16. März 2007 wurde das Werk geschlossen.

2009 schloss die Firma Quelle, weitere elf Hektar standen leer. Die Stadt Nürnberg stand und steht damit vor großen Herausforderungen für die Stadtentwicklung in Nürnbergs Westen.

Vom Brachland zum schicken Quartier
2007 übernahm MIB das alte AEG-Areal und begann mit der Revitalisierung. Ziel war es, ein breites Spektrum an Nutzungsmöglichkeiten anzusiedeln, von der Produktion über Büros, Handel, Ausstellungsräume, Gastronomie bis hin zu Kultur und Kunst. MIB setzt auf Kunst und Kultur als Entwicklungsbausteine, um Standorte wieder attraktiv zu machen, zum Beispiel bei der ehemaligen Leipziger Baumwollspinnerei, heute ein Zentrum für Kulturschaffende. Kunst und Künstler haben maßgeblich die neue Adressbildung „Auf AEG“ bewirkt und werden langfristig ein wichtiger Partner und Inhalt dieser Entwicklung sein.

Im Juli 2008 entschied sich Electrolux für den Verbleib ihrer Deutschlandzentrale und zog als erster neuer Mieter ein, viele andere folgten. Im Sommer 2010 war über die Hälfte der Flächen vermietet. Die Veranstaltungsreihe „OFFEN Auf AEG“ – eine große Kunstschau mit der Möglichkeit, die ansässigen Kunstateliers und die meisten Betriebsansiedelungen zu begehen – wurde im selben Jahr etabliert.

Die Stadt Nürnberg kaufte von MIB im Jahr 2011 eine ehemalige Produktionshalle entlang der Muggenhofer Straße, um mit dem Umbau des Gebäudes zur „Kulturwerkstatt Auf AEG“ einen Beitrag zur Attraktivität des Standortes zu leisten.

Second Chance: Revitalisierung mit Kunst und Kultur
Nach der Schließung des AEG-Werkes bekam der Standort im Nürnberger Westen auch mit Hilfe der EU eine zweite Chance. Im Jahr 2010 hatte das KUF die Möglichkeit zusammen mit fünf weiteren Partnern und MIB, ein Pilotprojekt auf dem Gelände anzustoßen. Das EU-Projekt „Second Chance“ beschäftigte sich mit der Entwicklung von industriell genutzten Brachflächen, die mit Unterstützung von Kunst und Kultur revitalisiert werden sollten. Ziel des Projektes war es, neue Nutzungsformen zu identifizieren, im europäischen Kontext Konzepte und Finanzierungsinstrumente zu erarbeiten und erste Umsetzungsschritte zu entwickeln, die auf andere europäische Städte übertragbar sein könnten. Die Strahlkraft von Kunst und Kultur sollte dabei die Ansiedlung von Wirtschaftsbetrieben und vielfältige Nutzungsmöglichkeiten fördern.

Testphase in der Werkstatt 141
In Nürnberg wurden die Projektpartner MIB und Stadt Nürnberg über das EU-Programm mit 485.000 Euro gefördert, die Kosten betrugen für den Projektzeitraum von dreieinhalb Jahren insgesamt knapp 650.000 Euro. Gemeinsam mit dem Partner MIB hat die Stadt Nürnberg „Auf AEG“ für die Einrichtung einer „Kulturwerkstatt“ einen Leitfaden erarbeitet.

Im Rahmen des Projektes wurde als multifunktionaler Saal die „Werkstatt 141“ eingerichtet. Der Raum dient als Vorläufer der „Kulturwerkstatt Auf AEG". In der „Werkstatt 141“ finden Konzerte, Ausstellungen und theaterpädagogische Werkstätten statt – organisiert vom Kulturbüro Muggenhof des Amtes für Kultur und Freizeit.

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Hier findet ihr den neuen Flyer zum Freizeit- und Ferienprogramm des Kinderkunstraum der Kulturwerkstatt Auf AEG.

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