Menschenrechte in der Hauptrolle

Am 8. Dezember wurde in der Nürnberger Tafelhalle der Deutsche Menschenrechts-Filmpreis verliehen. Vor mehr als 500 Gästen aus Politik, Kirchen, Medien und Organisationen der Zivilgesellschaft wurden die sechs Preisträger/-innen geehrt. Das Amt für Kultur und Freizeit ist eine der 21 Organisationen, die den Wettbewerb gestalten, finanzieren und durchführen. Der Deutsche Menschenrechts-Filmpreis ist in jeder Kategorie mit 2.500 Euro und einer individuell gestalteten Statue dotiert.

Im Wettbewerbszeitraum zwischen April und August 2018 waren 382 Produktionen eingereicht worden, die sich mit der ganzen Bandbreite menschenrechtlich relevanter Themen befasst hatten. Dabei nahm der Themenbereich Vertreibung/Flucht – Ankommen in Europa/Deutschland bzw. Integration von Geflüchteten erwartungsgemäß eine zentrale Rolle ein. Darüber hinaus hatten sich die Filmemacher/-innen nahezu allen gesellschaftlich Fragen gestellt: kulturelle bzw. sexuelle Identität, Meinungs- und Pressefreiheit, Zwangsarbeit und Lohnsklaverei, Menschenhandel oder Verbrechen gegen die Menschlichkeit in Bürgerkriegsgebieten.

„Die Hoffnung, dass es immer weniger Gründe gibt, sich mit Menschenrechten zu befassen, weil diese nun allgemeine Anerkennung und Beachtung finden würden, erfüllt sich leider nicht. Menschenrechte stehen nach wie vor weltweit unter Druck und müssen immer wieder verteidigt werden. Deshalb erleben wir mit 2018 erneut einen starken Wettbewerbsjahrgang, der sich durch Beharrlichkeit, Intensität und Weitsicht der Filmemacher/-innen in der Behandlung ihres Themas auszeichnet. Die Filme ermöglichen dabei einen unverstellten Blick auf die Situation der Menschenrechte in Europa und Deutschland – etwa wenn es um die Rechte von Menschen mit Behinderung oder die Ungleichbehandlung von Geflüchteten geht. Die vorgelegten und nun prämierten Produktionen zeichnen sich immer durch eine eindeutige Haltung und Positionierung der Regisseur/-innen aus“, so Marko Junghänel, Gesamtkoordinator des Wettbewerbs.

Für die Preisverleihung, die von Christoph Süß moderiert wurde, hatte Joachim Gauck, Bundespräsident a. D., die Schirmherrschaft übernommen und war als Festredner in die Nürnberger Tafelhalle gekommen. In seiner Festrede betonte er: „Ich freue mich, dass es so engagierte Künstlerinnen und Künstler gibt, die ihr Können in den Dienst der Menschrechte stellen. Denn Film – Kunst – findet andere Türen in unsere Seelen als das politische Argument. Wir wollen und müssen diese Anregungen aus der Kunst im Sinne des politisch Wirksamwerdens einsetzen und fördern.“

Zum 20-jährigen Jubiläum des Deutschen Menschenrechts-Filmpreises, der 1998 erstmals vergeben wurde, konnte auch Iris Berben, Präsidentin der Deutschen Filmakademie, begrüßt werden. Sie dankte in ihrer Laudation den Preisträger/-innen für ihr herausragendes filmisches und damit zugleich gesellschaftliches Engagement.

Nürnbergs Oberbürgermeister Dr. Ulrich Maly betonte in seinem Grußwort die Bedeutung Nürnbergs als Stadt des Friedens und der Menschenrechte im Hinblick auf die künstlerische Auseinandersetzung mit dem Thema Menschenrechte. Es gäbe eine Vielzahl etablierter Veranstaltungen, die die Brücke bauten zwischen dem Wissen und dem Handeln, so wie es der Deutschen Menschrechts-Filmpreis tue.

Die sechs Preisträger/-innen nahmen die Ehrungen dankbar entgegen und zeigten sich beeindruckt von der Initiative und Gestaltungskraft des Veranstalterkreises des Deutschen Menschenrechts-Filmpreises. Übereinstimmend betonten sie, dass ihnen mit diesem Preis insofern eine besondere Ehrung zuteilwird, weil der bundes- und europaweit renommierte Preis von unabhängigen Organisationen getragen wird. Das mache ihn im besonderen Maße glaubwürdig.

Die Preisverleihung setzte ein glanzvolles Finale der Wettbewerbsrunde. Wolfgang Niedecken rahmte die zweistündige Preisverleihung musikalisch. Niedecken, selbst Träger des Beethoven-Menschenrechtspreises, engagiert sich seit Jahren für Menschenrechte – im Besonderen durch ein eigenes Projekt, das Kindern und Jugendlichen im Kongo hilft, die durch kriegerische Auseinandersetzungen traumatisiert sind. Er unterstützt Initiativen wie den Deutschen Menschenrechts-Filmpreis, der dazu beiträgt, Unrecht in der Welt sichtbar zu machen und Veränderungen einzufordern.

Die Preisträgerfilme gehen nun auf eine Tournee durch Deutschland, Österreich und die Schweiz und werden in öffentlichen und kostenlosen Screenings gezeigt. Start der Tournee ist bereits am 12. Dezember in München (Hochschule für Fernsehen und Film). Die nächste Wettbewerbsrunde wird im April 2020 starten – dann wird zum 12. Mal der Deutsche Menschenrechts-Filmpreis ausgeschrieben.

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