Ist das Gemeinschaftshaus - ein "Russenhaus"?

Das Gemeinschaftshaus – ein „Russenhaus“? Diesen Eindruck haben zumindest vereinzelt Gäste unseres Hauses, wenn sie sich im Foyer umsehen/umhören oder im internationalen Bühnenprogramm unseres Sommerfestes zu wenig deutschen Zungenschlag wahrnehmen.

Grund genug, einmal ausführlich zu beleuchten, nach welchen Kriterien wir überhaupt unsere Angebote planen und wen wir als unsere Besucherinnen und Besucher ansprechen möchten.

Zunächst einmal: Das Gemeinschaftshaus ist eine Einrichtung im Amt für Kultur und Freizeit (KUF) der Stadt Nürnberg und damit dem vom Nürnberger Stadtrat einstimmig beschlossenen Leitbild und Integrationsprogramm verpflichtet. Ein Schlüsselbegriff ist hier „Diversity“: „Diversität oder Vielfalt sind Begriffe, die ursprünglich aus der Wirtschaft und Soziologie stammen und für die Chancengleichheit der Menschen stehen. Unabhängig von Geschlecht, Alter, Herkunft, Religion, sexueller Orientierung oder anderen Merkmalen gilt es, die Unterschiedlichkeit von Menschen zu respektieren und zu fördern.“ (vgl. www.kuf-kultur.de/das-kuf/vielfalt-leben.html).

Aus 99 Ländern nach Langwasser

Was heißt das konkret für das Gemeinschaftshaus in Langwasser? In Langwasser leben Menschen, die schon seit Generationen in Nürnberg ihre Wurzeln haben, mehr als die Hälfte des Stadtteils hat jedoch einen „Migrationshintergrund“. „Deutsche mit Migrationshintergrund“ repräsentieren über 40 Prozent der Langwasser-Bevölkerung, die klassischen „Ausländer“ machen etwa 12 Prozent aus. Diese Menschen sind aus 99 Ländern dieser Erde nach Langwasser gekommen. Langwasser ist bunt!

Im Sinne von Diversity möchten wir allen Bevölkerungsgruppen ein Programm bieten, das sie anspricht und ihnen die Chance bieten, sich selbst aktiv einzubringen und daran zu partizipieren:

  • Im Gemeinschaftshaus treffen sich regelmäßig Menschen aus der Türkei, Russland, Kasachstan, der Ukraine, Moldawien, Polen, Ungarn und der Mongolei. Ihre Feste feiern regelmäßig Schotten, Tamilen, Kurden, Togolesen und viele mehr.
  • Niedrigschwellige Angebote (z.B. Bürgercafé, Weihnachtsmarkt, Sommerfest) bieten eine erste Gelegenheit, das Haus kennenzulernen.
  • Mit besonderen Preisermäßigungen für Schülerinnen und Schüler, Studierende und Freiwillige kommen wir auch finanziell schlechter gestellten Menschen entgegen. Mit dem Nürnberg-Pass bezahlt man bei allen unseren Angeboten nur die Hälfte, maximal 5 € bei Veranstaltungen und „Bildungs- und Teilhabe-Gutscheine“ werden selbstverständlich bei allen unseren Kursen angenommen.
  • Im Sinne von „Kultur von allen für alle“ sind nicht die Sprache oder der kulturelle Hintergrund  von Künstlerinnen und Künstler oder dem Publikum entscheidend, sondern die Vielfalt der Angebote. Bei Kunst-Ausstellungen achten wir darauf, dass sich sowohl Kunstschaffende aus Langwasser präsentieren, aber auch die interkulturelle und internationale Szene angesprochen wird.
  • Wir unterstützen auch Mehrsprachigkeit, zum Beispiel in unserem Kinder-Insel-Programm (Bildungsprogramm für Vorschulkinder), weil es gerade für Kinder von Zugewanderten wichtig ist, ihre Herkunftssprache (oder die ihrer Eltern) zu beherrschen, um ihre kulturellen Wurzeln nicht zu vergessen. Deshalb ist es für uns auch eine Selbstverständlichkeit, wenn die Kinder-Insel-Kinder auf der Bühne Volkslieder auf Russisch singen.
  • Selbstverständlich erkennen wir an, dass das Beherrschen der deutschen Sprache eine Schlüsselfunktion für Integration darstellt. Aber das Kommunizieren in einer anderen Sprache ist hierzu kein Widerspruch.
  • Gleichzeitig ist es für uns ein wichtiges Prinzip, in der Öffentlichkeit zumindest eine deutsche Übersetzung von Plakaten oder Handzetteln anzubieten.
  • Unsere Räume und Zugänge sind nahezu barrierefrei. Offensichtliche Schwachstellen sollen im Rahmen der geplanten Innensanierung behoben werden (Automatisierung der Innenflügel am Haupt- und Saaleingang, Aufzug in die Bibliothek im 1. Obergeschoß). Der Große Saal ist mit einer induktiven Höranlage für Menschen mit Hörminderung ausgestattet.
  • Wir unterstützen Organisationen und Initiativen, die sich für Inklusion einsetzen und beziehen Künstlerinnen und Künstler aus diesem Umfeld in unser Programm mit ein.
  • Wir kooperieren gerne mit Schulen, für die eine multikulturell zusammen gesetzte Schülerschaft selbstverständlich geworden ist.
  • Wir sind eingebunden in die internationalen Beziehungen der Stadt Nürnberg, unterstützen und pflegen die Kontakte zu Partnerstädten und unterhalten bereits seit 1987 eine feste Partnerschaft mit dem Nowohuckie Centrum Kultury, einem Kulturzentrum im Stadtteil Nowa Huta in Krakau.
  • Die Hälfte unseres Teams hat Wurzeln in anderen Herkunftsländern. Das erleichtert uns, die Situation unseres Publikums besser zu verstehen.
  • Wir pflegen enge Beziehungen zum Integrationsrat der Stadt Nürnberg, sind innerhalb des Stadtteils und darüber hinaus in zahlreiche Netzwerke eingebunden und engagieren uns aktiv gegen Rechtsextremismus.

Ganz besonders wichtig ist für uns die Dialogbereitschaft von uns Mitarbeitenden mit Ihnen als Besucherinnen und Besuchern. Egal in welcher Sprache Sie mit uns Kontakt aufnehmen, wie alt Sie sind, woher Sie kommen und an wen oder was Sie glauben – wir freuen uns auf Ihren Besuch und sind für Sie da!

Gerne diskutieren wir mit Ihnen über unser Konzept und freuen uns über Rückmeldungen (Tel. 0911 / 99803-0 oder glw@stadt.nuernberg.de).

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