Grüße früherer Preisträgerinnen und Preisträger

Matthias Kröner
Zweifel und zwei Auszeichnungen
Einige Anmerkungen zum Fränkischen Preis für junge Literatur

Bevor ich den Lyrik- und Mundartpreis der Nürnberger Kulturläden erhalten habe, hatte ich zwei Veröffentlichungen: in einer Zivildienstzeitschrift und einem Satiremagazin. Was ich außerdem hatte, war ein Ordner voll Absagebriefen, die alle ungefähr so aufhörten: „Es tut mir leid, dass ich keine besseren Nachrichten für Sie habe. So bleibt mir nur, Ihnen mit Ihren Texten an anderer Stelle alles Gute und viel Erfolg zu wünschen.“ Dann erhielt ich einen Anruf von Siegfried Straßner. Zwölf Monate später sprach der Leiter des Kulturladens erneut auf meinen Anrufbeantworter.
Hätte ich ohne den Lyrik- und Mundartpreis der Nürnberger Kulturläden weitergeschrieben? Aber klar! Das Schreiben lebt tief in mir und will manchmal raus: wie ein seltenes Tier oder ein ausgestorbenes, ein Säbelzahntiger zum Beispiel. Was dabei manchmal stört: Zweifel.
Solche Auszeichnungen lassen einen erkennen, dass man mit seinen Worten tatsächlich etwas anstellen kann. Sie bestätigen einen in dem, was man machen will.
Inzwischen darf ich vom Schreiben leben. Das geschieht nicht nur mit Gedichten und Mundart. Darunter fallen auch handfeste Artikel, Reisebuchtexte mit subjektiven, wertenden Sätzen, Kolumnen und Essays für Zeitungen und Magazine sowie die PR-Arbeit für einen überregionalen Verlag aus Erlangen (Letztere wird, im Gegensatz zu den anderen Gattungen, sogar anständig bezahlt …).
Und die Zweifel? Die gibt es immer noch, die müssen sein. Doch inzwischen nehme ich sie gelassener. Neulich passierte es, dass ein Magazin ein Gedicht von mir ablehnte: „zu zeitgeistig, zu billig“. Exakt 43 Minuten später erhielt ich eine Zusage per Mail für ebenjenes Gedicht. Es wird in einer Anthologie von reclam erscheinen
Ich beglückwünsche Siegfried Straßner und die Nürnberger Kulturläden zum 30. Jubiläum eines in Franken einmaligen Literaturpreises.

Carolin Hensler

Zum ersten Mal einen Preis zu gewinnen, verändert einiges. Wahrscheinlich, weil zum Schreiben auch Unsicherheit gehört. Unsicherheit mit sich selbst, mit der Geschichte, oder sogar mit der Tatsache, dass man irgendwann in seinem Leben irgendwie zu diesem gar nicht mal so einfachen, sehr komplexen Hobby gefunden hatte - und man manchmal, wie in meinem Fall, gar nicht mehr wusste, wie genau das eigentlich passiert war.
Der Literaturpreis der Nürnberger Kulturläden half mir, mich sicherer mit meiner Kreativität zu fühlen. Auf einmal wurde mir klar, dass das, was ich da produziere, „vielleicht ja gar nicht so schlecht“ ist. Vielleicht sogar ja „richtig gut“. In jedem Fall aber gut genug, um weiterzumachen. Ich werde insbesondere für das Feedback der Jury immer dankbar sein, auch und gerade weil es Kritik nicht ausließ und mir wichtige Anregungen gab, wie ich meinen Stil verbessern kann. Die richtige Mischung aus Lob und Kritik war für mich dabei ausschlaggebend. Die wunderbaren Gespräche nach der Preisverleihung, die vielen neuen Bekanntschaften, die ich an diesem Abend machen durfte, und nicht zuletzt die tollen Eindrücke der Veranstaltung allgemein haben mich bei meinem weiteren schriftstellerischen Schaffen begleitet. Ein Jahr später schon hatte ich die Zusage für ein Halbjahresstipendium des Literaturhauses München im Rahmen der Bayerischen Akademie des Schreibens in der Tasche. Ohne das nötige Selbstbewusstsein hätte ich mich mit Sicherheit gar nicht erst um das Stipendium beworben. Einen Teil dieses Selbstbewusstseins habe ich durch den Literaturpreis der Kulturläden gewonnen. Ich hoffe, dass diese Auszeichnung noch viele andere „stille Schreiber“, wie ich es einmal gewesen bin, dazu ermutigt, sich mit ihren Werken an die Öffentlichkeit zu wagen. Es braucht dazu ein wenig Mut. Aber es lohnt sich.

Denis Leifeld

Liebe künftige Generationen des Fränkischen Preises für junge Literatur, bei mir ist es fünf Jahre her. Seitdem ist viel passiert. Ich hab voll viel getextet. Und jetzt, anlässlich dieses Jubiläums, ist es an der Zeit, eine Liste zu schreiben, um meine geheimsten Schreibtricks überaus gänzlich geordnet weiterzugeben. Ein sozusagen supersystematisches Aus-dem-Nähkästchen-Plappern. Hier ist sie also, meine ultimative 25-Punkte-Liste, sie heißt „voll texten“, bitteschön:

1.            Der Plan: einen Text übers Texten texten
2.            Erst noch die Windeln wechseln
3.            Immernochmüdigkeit, Bräsigkeit, Breitigkeit (alles downlow): Einen Gedankenbeschleuniger im Hirn vorne rechts installieren oder einen doppelten Espresso trinken
4.            Und lostexten, abtexten, übermichhinaustexten (sofort!)
5.            Erst noch den als Windeleimer umfunktionierten Großraumbüromülleimer im Bad leeren (und dabei total intensiv an nobelpreisverdächtige Erfindungen denken, wie Ritalin-Kaubonbons)
6.            Nicht wegtexten, sondern jetzt erst recht sofort hintexten und da kommt auch schon so etwas wie ein Gedanke: Texte texten ist wie Windeln wechseln, es kann immer auch in die Hose gehen
7.            Weiter, das ist ein Anfang, weiter, über den Anfang hinausschreiben (den Anfang kann ich immer noch streichen)
8.            Ja! Weiterschreiben, vorwärtsschreiben, wohinschreiben? Keine Ahnung
9.            Durchnummerieren hilft manchmal (Gedanken ordnen als Strafarbeit)
10.          Mein Thema: Einen Text übers Texten
11.          Mein Konflikt: Denis Leifeld
12.          Nicht ablenken
13.          Nein, so löst sich bei mir auch nichts!
14.          Also
15.          Die verlorene Diversität wieder herstellen (durch zweiminütiges Wörterlotto bei Google)
16.          Als Mutmacher meine Pin-Nummern als E-Book bei Amazon vertreiben (für 1,99 Euro)
17.          Ich brauche kein Brainlifting
18.          Das Denken ist das Problem
19.          Hinsetzen und aufschreiben, was ich fühle
20.          Nervöses Zitterzucken des Körpers akzeptieren
21.          Nicht wie ein Kaninchen auf die Schlange starren
22.          Augen aufkurbeln und in alle Richtungen brennen
23.          Supernaturalistische Neuronenmusik im Hyperhirn hören (das fördert die Durchblutung)
24.          Wer leuchten will, muss brennen
25.          Mit fettigen Fingern auf dem Smartphonedisplay schreibe ich dies übers Texten. Der Text wird „Fettskulptur“ heißen, oder: „Selbstreflexion“ (oder besser nichts von beidem, das Eine klingt nach Joseph Beuys, das Andere wie schon einmal gegessen und mehrmals ausgespuckt, dann also „voll texten“ als Titel) 
26.          Vielleicht doch schlafen (und beim Einschlafen an die letzte Zeile denken, die immer gestrichen werden muss)

Elmar Tannert

Zwei Dinge habe ich vor über 20 Jahren mit meiner Geschichte vom soziopathischen Modelleisenbahner erlebt, der auf seiner Anlage ein originalgetreues H0-Konzentrationslager baut, in das er seine Nachbarn und Kollegen als Plastikfiguren deportiert: Beim einzigen Mal, als ich sie vorlas, verließ mich etwa die Hälfte des Publikums – und ich habe einen Preis der Nürnberger Kulturläden dafür bekommen. Ich konnte also meinen Text entweder für geschmacklos halten oder für eine gelungene Parabel über das Böse im Menschen. Wie ich selbst ihn einschätzen soll, weiß ich bis heute nicht. Aber die entscheidende Botschaft, die ich damals mitgenommen habe, ist, sowohl mit Publikumsreaktionen als auch mit Preisen möglichst gelassen umzugehen. Und sich damit abfinden, daß man selbst nicht immer ganz genau weiß, was man in die Welt entläßt.
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Franziska Schnauffer

30 Menschen sitzen in einem kleinen, bis auf den letzten Winkel bestuhlten Raum. Die warme Mailuft staut sich zwischen den Sitzen, man hört leises Stühlerücken und verstohlenes Flüstern mit dem Nachbarn. Jedoch traut sich niemand, sich mit den ausliegenden Programmen Luft zuzufächeln, denn auf der Bühne steht ein Mann, der die Aufmerksamkeit aller auf sich zieht. Besonders neun junge Menschen starren abwechselnd gebannt nach vorn und auf ihre Hände, die nervös mit Haaren, Fingernägeln oder Kleidung beschäftigt sind.
Die neun sind Finalisten und Finalistinnen des 29. Preises für junge Literatur und ich bin - oder eher gesagt, war - eine von ihnen. Am Tag zuvor hatte ich mein letztes Kolloquium überlebt und war jetzt also (wenn auch noch inoffiziell) mit der Schule fertig. An die unbekannte Zukunft, die mir zugegebenermaßen großen Respekt einflößte, dachte ich allerdings in diesem Moment nicht. Ich dachte mehr oder weniger gar nichts.
Endlich wurde der dritte Platz verkündet und ich atmete auf. Jetzt konnte ich mich ja entspannen, dachte ich. Besser als die beiden Drittplatzierten bin ich nie im Leben. Ich klatschte also enthusiastisch und freute mich, bei so einem tollen Finale dabei gewesen zu sein.
Tja, im Endeffekt wurde ich an diesem Tag Zweite und fiel fast vom Stuhl vor Überraschung und Freude. Was ich damit sagen will: der fränkische Preis für junge Literatur überrascht und erfreut, aber er tut noch mehr als das. Er gibt jungen Leuten die Chance, sich mit ihren Texten einer fachkundigen Jury und einem neutralen Publikum zu stellen. Er zeigt, dass man nicht der einzige Verrückte ist, der sich stundenlang an den Schreibtisch setzt, nur um ein Blatt Papier mit Buchstaben zu füllen. Er ist für mich - und vermutlich einige andere - das erste “Bisherige Veröffentlichungen“ im Lebenslauf und eine bleibende Erinnerung, dass man wohl doch zumindest ein bisschen was kann.
Danke für diese tolle Erfahrung und herzliche Glückwünsche zum 30jährigen Bestehen des fränkischen Preises für junge Literatur!

Johannes Hielscher

stell dir vor/es ist frühling//und keiner geht hin
Gelegenheiten zu lyrischer Trauerarbeit

Der Luxus der poetischen Sprache ist ihre Umständlichkeit. Die Lyrik stolziert auf wackeligen Beinen; bisweilen versucht sie, in Mehrdeutigkeiten und Metra, in Reimen oder typographischer Künstlichkeit Halt zu finden. Und steuert immer wieder, mal wohldurchdacht, mal in jugendlichem Überschwang, an den Fähigkeiten der Lesung vorbei – wo das Gesprochenwerden immerhin das ureigentliche Biotop der Sprache ist! Dichtung sei eben dicht, sagt man, und versteht dies als Aufforderung an das Medium, eine Überbeanspruchung des Formalen beleidigt auf ein Problem des Publikums damit zu projizieren.
Wer versteht so ein Gedicht? Ich nicht.
Ein Dutzend Jahre verbinden mich nun schon mit diesem schönen Literaturpreis, und ihre Gelegenheiten, aktiv wie passiv an dichterischem Austausch teilzuhaben. Aus den Bühnenerfahrungen muss ich nun eben ernüchternd einsehen: Lyrik hebt so nicht ab! Die Tücken der mündlichen Linearität, sie verkanten sich mit der notwendigerweise krampfhaften Innovationsdichte der Worte. Oft schon war ich froh, im Wortlaut den Versen die Zeit geben zu können, die sie eigentlich benötigen. Lasset uns streiten: Nimmt sich ein Gedicht in seinem Format ernst, disqualifiziert es sich mit Freuden! davon, beiläufig in ein Mikrophon gesäuselt zu werden. Es gibt keinen Grund, warum der falsche Schein der Bühne etwas mit der Autonomie der Worte an sich zu tun haben soll.
Obige Titelzeile stammt aus der Feder eines 17-jährigen Optimisten. Doch die Jahre öffentlich praktizierten Gedichts, einiger versteckter Schätzlein, notorischer Divergenz von geschriebener und gesprochener Sprache, und manch tragischem Erfolg postmoderner Unvorlesbarkeit, haben bei mir ihre Spuren hinterlassen: Abgekühlt der Drang, meine Schöpfungskraft in Versform zu pressen. Der frei gewordene Mut, die Macht der Prosa möge davon zehren. Ich jedenfalls verdanke dem Dichterwettstreit der Nürnberger Kulturläden eine praktische Orientierung, die nicht in Lyrikbändchen aufzuwiegen ist.

Katharina Robitzkat

Anfang 2014 erhielt ich die Nachricht, dass ich mich für das Finale des Literaturpreises der Nürnberger Kulturläden qualifiziert hatte. Über den Brief habe ich mich sehr gefreut, da es nach der Endausscheidung des Hattinger Förderpreises für junge Literatur erst das zweite Finale eines Literaturwettbewerbs war, zu dem ich eingeladen wurde. Die Geschichte, mit der ich teilnahm, trug den Titel „Was bleibt“ und schilderte die innere Erlebniswelt eines Gerichtsmediziners, für den nach einem persönlichen Schicksalsschlag die Grenzen zwischen Realität und Fiktion verschwimmen. Als Medizinstudentin bot mir „Was bleibt“ die Gelegenheit, mein Studienfach mit meiner großen Leidenschaft, dem Schreiben, zu verknüpfen. 
Oft wundern sich Bekannte, warum jemand, der ein solch lernintensives und nur bedingt kreatives Studienfach gewählt hat, sich für Literatur interessiert und gerne schreibt, und die Einladung zum Finale hat mich in meiner Ansicht bestärkt, dass sich diese beiden Welten gut ergänzen. In Nürnberg vor Publikum zu lesen und andere schreibbegeisterte junge Menschen zu treffen, war für mich eine wertvolle Erfahrung.
Obwohl ich nicht damit gerechnet habe, gewann ich schließlich den 3. Preis, meinen ersten Literaturpreis überhaupt, worüber ich mich sehr gefreut habe. Gerade weil ich, wie so viele junge Autoren, manchmal an mir zweifle, hat der Preis mich ermutigt und mir gezeigt, dass ich auf dem richtigen Weg zu meinem Traumberuf bin. Außerdem war er ein Ansporn, mir neben dem Studium weiterhin Zeit fürs Schreiben zu nehmen, an meinem Stil zu feilen und an weiteren Literaturwettbewerben teilzunehmen. So schaffte ich es im Jahr 2017 mit „Friede dem Chaos, Krieg der Vernunft“ in die Runde der letzten Zwölf der Lesereihe des bayerischen Rundfunks, was für mich ein großer Erfolg war. Im März 2018 werde ich im Rahmen des Schreibwettbewerbs von Care im Finale der letzten drei meiner Altersgruppe auf der lit.Cologne lesen. Zudem arbeite ich momentan an einem Jugendbuchmanuskript, das ich nun zum größten Teil fertig gestellt habe und plane, mir hierfür einen Literaturagenten zu suchen.
Wer weiß, vielleicht wird der Literaturpreis der Nürnberger Kulturläden mir helfen, die Neugier der Agenten zu wecken. Auf jeden Fall kann ich jedem jungen Autor wärmstens empfehlen sich zu bewerben und bedanke mich bei allen, die dabei mithelfen, diesen Literaturwettbewerb auf die Beine zu stellen.

Christiane Neudecker

Zum 30. Jubiläum!

Preise sind etwas Großartiges. Das weiß man schon als Kind, wenn man mitten im Faschingstrubel auf die Bühne gerufen und für das Beste Kostüm ausgezeichnet wird. Wenn man beim Sackhüpfen als erster über die Ziellinie hechtet. Oder man beim Lese-Wettbewerb von der strengen Jury den eigenen Namen hört. Mit roten Wangen und klopfendem Herz nimmt man dann die Auszeichnung entgegen. Wer hat nicht schon einmal heimlich eine Danksagung vor dem Spiegel geübt? Sich vorgestellt, wie er schwungvoll aufs Siegertreppchen hüpft? Gewinner dürfen sich Medaillen um den Hals hängen oder Urkunden hinter Glas rahmen lassen. Es gibt Plüschtiere an Losbuden, bunte Abzeichen für Sportler, Plastikrosen, Preisgelder und Trophäen. Meistens verfliegt der Zauber nach einer Weile. Pokale wandern in andere Hände, Urkunden verstauben, Goldmedaillen werden stumpf.
Aber es gibt auch Preise, die das Leben verändern. Ihr Nachklang verstummt nicht, sie leuchten bis in die Zukunft hinein. Weil sie Bestärkung sind. Weil sie Suchende zu Findenden machen. Weil sie wirken. Der Literaturpreis der Nürnberger Kulturläden ist so ein Preis.
Denn das Schriftsteller-Sein ist ein merkwürdiger Beruf, besonders am Anfang. Man sitzt da, allein mit sich und seinen Gedanken. Man möchte etwas erzählen und weiß längst noch nicht, ob man das kann. Man möchte gehört werden und hat noch keine Leser. Man möchte Erdachtes festhalten und sieht es verfliegen. Dass dann jemand kommt und sagt: du kannst das! Mach weiter! Das ist unbezahlbar.
Umso wunderbarer, dass es eine Institution wie den Literaturpreis der Nürnberger Kulturläden nun schon so lange gibt. Er mag den Namen gewechselt haben, er mag Jahrzehnte auf dem Buckel haben - aber er hat von seiner Frische und Bedeutung nichts eingebüßt, im Gegenteil. Ich persönlich hoffe, dass es diesen Preis noch lang geben wird. Denn mich hat er von der Schreibenden zur Schriftstellerin gemacht.
Happy Birthday - und: danke.
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Paul S. Wolff

Die große Angst im Kreativbetrieb ist definiert mit „One Hit Wonder“. Bin ich einer? Mit 18 wurde eine Werbeidee von mir geklaut, die im Fernsehen lief (juristische Konsequenzen liefen dann). Ich habe 2003 mit 29 den 1. Platz hier beim Literaturpreis erreicht. Einige Zeit später, ich war der erste überhaupt, der beim Nürnberger Poetry Slam 2005 gelesen hat. Ferner Gründungsmitglied Muse(e)n-Lesegruppe (jetzt Poetisches Theater, Kulturpreis der Stadt 2017).
Direkt bei der Preisverleihung gründeten wir Gewinner die Literaturgruppe „Mundpropaganda“. Alle anderen haben mittlerweile bei Papier-Verlagen veröffentlicht, mir ging es vorwiegend um Drehbücher. Da bombte 2011 der 3. Platz bei einem Drehbuch-Wettbewerb in Hollywood, dadurch Kontakte zu deutschen Filmproduktionsfirmen. Allen, die sagen, es geht (von Nürnberg aus) nicht: es würde schon gehen. Nur: Man muss es wollen. Sehr wollen! (Einer der erfolgreichsten deutschen DB-Autoren wohnt in Hannover...)
Erzähle ich vom Literaturpreis und der Text entspricht nicht einem gewissen Niveau, gibt es Häme! Es ist schwere Arbeit und ein langer Weg, nachlegen zu können. Von einigen Kontakten in die Berliner und Münchener Filmszene habe ich gelernt, die Erfolgreichen schöpfen aus den Bergwerken der richtigen Gründe mit harter Arbeit heraus reich Ideen, Durchhaltevermögen und Selbsterneuerung. Der Erfolg ist bisweilen gerecht – leider.
Ich bin Paul S. Wolff und bekenne mich schuldig. Ich blieb bis jetzt eine Zicke, die zu schnell zu viel erwartet von zu wenig Leistung. Ich habe nie einen Slam gewonnen – habe mich bis zuletzt geweigert, einen Text auswendig zu lernen... Generell spricht die Erfolgsgier aus den falschen Gründen durch die Mentalität: „das muss auch reichen, (andere kommen mit weniger durch)“ - Nein, falsch! Ebenfalls schuldig. Habe ich den Erfolg verdient, ausreichend getan für (Fußballsprech:) „zwingende Torgelegenheiten“? Nein.
Auf meinem Grab wird stehen, was mir viele Frauen auch gesagt haben: „Das reicht nicht.“
Wie die Merkel-Raute nicht mehr ist als das Zeigen der Größe des jeweiligen Feigenblattes – genauso ist Nürnberg ein dankbares Feigenblatt für Gründe der Larmoyanz. Man hat mittlerweile wissenschaftlich herausgefunden, angeborene Nachteile verstärken den Kampfeswillen. Hier hätten wir eines – aber Einsicht ist leider nur der erste Schritt zur Besserung...

Einladung zur Jubiläumsveranstaltung am 16. Mai 2018, 19 Uhr, Kulturwerkstatt Auf AEG

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