Second Chance

Within SECOND CHANCE 10 Partners from 5 central European cities have worked from 2010 to 2013 in finding solutions and common approaches to the challenges of the structural change that has shift Europe from an industrial based economy to a post-industrial service based economy. The project gave the former AEG factory in Nuremberg (DE), HALLE 14 of the former Cotton Spinning Mill in Leipzig (DE), the former Rog factory in Ljubljana (SI ), the Porta Nuova tower on the site of the Arsenale in Venice (IT ) and the former tram depot in the St. Lawrence district in Krakow (PL) a ‘second chance’. The Second Chance project developed common lessons that could also be used in other European cities to transform post-industrial sites in engines for the development of urban districts.

For more information see the two brochures REVITALISATION THROUGH ARTS AND CULTURE. The mid-project publication introduces the development and implementation of the revitalisation concepts and documents the international conferences within the project. The final publication introduces concepts of revitalisation and illustrates how they have been applied in the project. Guest authors Prof. Dr. Klaus R. Kunzmann and Dr. Matjaž UršiČ provide a view on cultural and creative regeneration projects, placing them into a broader context.

The final conference of the project took place in Nuremberg on June 27, 2013 and presented in two modules the results of the project, the importance of culture in Urban renewal processes and outlined the further development of European cooperation in art and culture. The videos of the conference you can find here.


Das EU-Projekt SECOND CHANCE beschäftigte sich mit der Entwicklung von ehemals industriell genutzten Brachflächen, die mit Unterstützung von Kunst und Kultur revitalisiert werden sollten. Ziel des Projektes war es, für das jeweilige Gebiet neue Nutzungsformen zu identifizieren, im europäischen Kontext verallgemeinerbare Nutzungskonzepte und Finanzierungsinstrumente zu erarbeiten und erste Umsetzungsschritte zu entwickeln, die dann auf andere europäische Städte übertragbar sein könnten. Die Strahlkraft von Kunst und Kultur sollte dabei die Ansiedlung von Wirtschaftsbetrieben und eine vielseitige Nutzung durch alle Bevölkerungsschichten fördern.

In den vergangenen fünfzig Jahren hat sich in Europa die Wirtschaft von einer industriellen, produktionsorientierten Struktur hin zu einer post-industriellen, dienstleistungsorientierten Struktur entwickelt. Seit den 1990er-Jahren schlossen Tausende von Fabriken, und mehr als 50 % der Arbeitsplätze im produzierenden Gewerbe gingen verloren. In vielen europäischen Städten sind ganze Stadtteile von ehemaligen Industriestandorten gekennzeichnet. Die Wiederbelebung dieser Gebäude und Flächen durch künstlerische und kulturelle Aktivitäten tragen oft zu einer Aufwertung der Stadtteile und damit der Städte bei.

SECOND CHANCE hat dafür innovative und integrierte Handlungsansätze für die Revitalisierung zentrumsnaher Industriebrachen demonstriert. Hierzu hat das Projekt folgende Ergebnisse erreicht:

•        Identifizierung neuer Nutzungsformen unter europaweiter Auswertung guter Beispiele („best practices“)

•        Aufstellung von langfristigen Nutzungs- und Finanzierungskonzepten für alle fünf Standorte der Projektpartnerschaft unter Berücksichtigung möglicher privat-öffentlicher Partnerschaften (PPP)

•        Entwicklung eines verallgemeinerbaren Leitfadens für weitere Standorte in den beteiligten Städten und darüber hinaus

•        Umsetzung erster investitionsvorbereitender Maßnahmen

•        Öffentlichkeitsarbeit zur Herausstellung des entwickelten Ansatzes und der fünf Standorte

•        Fortlaufender Austausch unter den Projektpartnern

In Nürnberg waren die Projektpartner MIB und Stadt Nürnberg über das EU-Programm mit 485.000 € gefördert, die Kosten betrugen für den Projektzeitraum von dreieinhalb Jahren insgesamt knapp 650.000 €. Der Fokus war dabei auf das ehemalige AEG Gelände in Muggenhof gerichtet. Gemeinsam mit dem Partner MIB hat die Stadt Nürnberg „Auf AEG“ für die Einrichtung einer „Kulturwerkstatt“ einen verallgemeinerbaren Leitfaden erarbeitet. Im Rahmen des Projektes wurde als multifunktionaler Saal die "Werkstatt 141" eingerichtet. In der Werkstatt 141 finden Konzerte, Ausstellungen und theaterpädagogische Werkstätten statt. Niedrigschwellige Angebote wie Führungen oder Stadtteilfeste sind für die Anwohnerinnen und Anwohner attraktiv. Der Raum dient als Vorläufer der „Kulturwerkstatt auf AEG“, die die Stadt Nürnberg in den kommenden Jahren auf dem Areal errichten wird. Neben dem Kulturbüro Muggenhof, das auch die Veranstaltungen der „Werkstatt 141“ koordiniert, wird die künftige Kulturwerkstatt Raum für folgende Einrichtungen bieten: die Zentrale der städtischen Musikschule, eine Kinder- und Jugendkunstschule, die Akademie für Schultheater und Theaterpädagogik und den spanischen Kulturverein Centro Español. Die neue Kultureinrichtung bietet alle Voraussetzungen, als Zentrum für Kultur und kulturelle Bildung ein echtes „Leuchtturmprojekt“ des Stadtumbaus zu werden, das sowohl für den Stadtteil identitätsstiftende Wirkung entfaltet als auch gesamtstädtische Relevanz besitzt, die sich wiederum positiv auf den Stadtteil und seine gesamtstädtische Wahrnehmung niederschlägt.

Zehn Partner aus vier Ländern waren am Projekt SECOND CHANCE beteiligt. Das sind neben Nürnberg die Städte Leipzig, Ljubljana, Krakau und Venedig.

In Leipzig entwickelte die Halle 14 e.V. zusammen mit dem Partner Aufbauwerk Region Leipzig die Ergänzung der Ausstellungsflächen auf dem Gelände der ehemaligen Leipziger Baumwollspinnerei um  Ateliers für Künstlerinnen und Künstler zu schaffen. Der komplexe Erhaltungsgrad der historischen Bausubstanz der Leipziger Baumwollspinnerei hat nach dem Niedergang der Baumwollgarnproduktion in den frühen 1990iger Jahren eine langsame aber kontinuierliche Wiederbelebung der Fabrik durch neue und kulturelle Nutzungen ermöglicht. Diesen Prozess ergänzt die Halle 14 e. V. seit 2002 mit ihrem gemeinnützigen Engagement für die zeitgenössische Kunst. In der Leipziger HALLE 14 entstanden 11 Künstlerateliers in Rahmen des Projektes, die für ein internationales Stipendienprogramm und Kooperationsprojekte mit europäischen Partnern genutzt werden.

In Venedig hat die Stadt Venedig zusammen mit der Arsenale Entwicklungsgesellschaft  eine dauerhafte Ausstellungsfläche im renovierten Turm des „Puorta Nuova“ im nördlichen Teil des Areals geschaffen. Das Arsenale Gelände umfasst insgesamt 48 Hektar und ist mit Ausnahme der Verwendung einiger Gebäude zur Biennale und für Theater- oder Balletaufführungen weitgehend ungenutzt. Ziel ist es, auf dem Gelände ein dauerhaftes kreatives und kulturelles Zentrum zu etablieren.

In Krakau befindet sich im Stadtteil Kazimierz in einem ehemaligen Bus- und Straßenbahndepot das Museum für kommunale Industrietechnik. Die Stadt Krakau hat hier zusammen mit dem Museum die kulturellen Aktivitäten ausgeweitet. In einem ersten Schritt konnte die Erweiterung des Museums zu einem Forum für Kultur und Kommunikation begonnen werden. Ausstellungen, Versammlungen, Veranstaltungen und Workshops können nun das Angebot des Museums ergänzen.

In Ljubljana wird die ehemalige Fahrradfabrik ROG im Zentrum der Stadt seit wenigen Jahren von kulturellen Initiativen genutzt. Zur Vorbereitung der Sanierung der maroden ehemaligen Fabrik ROG wurden zwei Container mit 3D-Technologien als RogLab ausgestattet, um Kreativschaffenden aus den unterschiedlichsten Disziplinen eine Arbeitsmöglichkeit zu geben. In mehreren Gesprächsrunden wurden die Interessen potenzieller Partner vor Ort ausgelotet und schließlich 15 Partner ausgewählt, die im RogLab mit ersten Angeboten Kooperationen für das in den nächsten Jahren entstehende 8000 m² große ROG-Kulturzentrum entwickeln und ausprobieren können.

Die Abschlusskonferenz des im Januar 2010 begonnenen Projekts fand in Nürnberg am 27. Juni 2013 statt „Kunst und Kultur als Erfolgsfaktoren der Stadterneuerung“ war der Titel der Tagung, die in zwei Modulen die Ergebnisse des Projekts vorstellte, die Bedeutung von Kultur in Stadterneuerungsprozessen diskutierte und die Weiterentwicklung Europäischer Kooperationen in Kunst und Kultur skizzierte.

Zu Beginn der Tagung begrüßte die Kulturreferentinnen Prof. Dr. Julia Lehner (Nürnberg), Tiziana Agostini (Venedig), Magdalena Sroka (Krakau) und Mateja Demšič (Ljubljana) die Teilnehmenden. Über „Die Bedeutung von Kultur in Stadterneuerungsprozessen“ sprach Dr. Matjaž Uršič, Wissenschaftler am Institut für Raumsoziologie der Universität Ljubljana. Der Architekt und Raumplaner Klaus R. Kunzmann stellte eine entschleunigte Gesellschaft in den Mittelpunkt seiner Überlegungen zur Stadtentwicklung. Philippe Lukacs, Professor der École Centrale de Paris, begründete, warum es für Unternehmen ein Erfolgsfaktor ist, eine künstlerische und kulturelle Dimension zu haben.

Nach der Vorstellung der Ergebnisse des Projekts Second Chance durch Bertram Schultze, Geschäftsführer der Leipziger Baumwollspinnerei und Entwickler der ehemaligen AEG-Fabrik in Nürnberg, beleuchtete die Kulturberaterin Ilona Kish aus Großbritannien Facetten europäischer Zusammenarbeit. Birgitta Persson, Geschäftsführerin von Trans Europe Halles (TEH), Lund, dem europäischen Netzwerk unabhängiger Kulturzentren, beantwortete die Frage, wie Kultur das soziale Gleichgewicht und die ökologische Qualität von Städten nachhaltig stärken kann.

Abschließend sprach Christophe Ebermann, Projektmanager und stellvertretender Leiter der Bereiche Monitoring und Evaluierung des Technischen Sekretariats des Central Europe Programms, Wien, zur Zukunft des Programms.

Die Videos der Abschlusskonferenz finden sie hier.


Die Stadt Nürnberg war für alle beteiligten Städte der federführend zuständige Partner (sog. „Leadpartner“). Im Auftrag der Stadt übernahm das Amt für Kultur und Freizeit die vertragliche Vertretung gegenüber dem Programm „CENTRAL EUROPE“. Das Budget des gesamten Projektes betrug 2.882.700 €, von „CENTRAL EUROPE“ waren 2.269.080 € gefördert.

Das INTERREG IV B Programm Mitteleuropa (Central Europe) ist ein Programm der Europäischen Union zur Förderung  der Zusammenarbeit zwischen den mitteleuropäischen Ländern. Schwerpunkte der Förderung betreffen den Bereich der Innovationen, der Erreichbarkeit und der Umwelt sowie der Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit und Attraktivität von mitteleuropäischen Städten und Regionen. Im Rahmen von INTERREG IVB Mitteleuropa werden finanzielle Mittel aufgewendet, um Projekte für die transnationale Zusammenarbeit zu unterstützen. Beteiligen an diesem Programm können sich öffentliche und private Organisationen aus Österreich, der Tschechischen Republik, Deutschland, Ungarn, Italien, Polen, der Slowakischen Republik, Slowenien, Kroatien und der Ukraine.

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Second Chance wurde im Rahmen des "Central Europe Programme", finanziert durch den Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung, umgesetzt.

Das Projekt wurde zusätzlich gefördert mit Bundesmitteln im Rahmen des „Bundesprogramms transnationale Zusammenarbeit“ des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS).

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