Internationaler Nürnberger Menschenrechtspreis

Der mit 15.000 Euro dotierte Internationale Nürnberger Menschenrechtspreis wird alle zwei Jahre an Einzelpersonen oder Gruppen verliehen, die sich in vorbildlicher Weise und unter hohem persönlichem Risiko für die Wahrung der Menschenrechte einsetzten. Alle Infos zu der Auszeichnung gibt es beim Menschenrechtsbüro der Stadt Nürnberg.

Preisträger 2017: „Gruppe Caesar“

Der Internationale Nürnberger Menschenrechtspreis 2017 geht an die „Gruppe Caesar“, die unzählige Fotos von in syrischen Gefängnissen zu Tode gefolterter Menschen veröffentlicht hat. Dies hat die internationale Jury unter Vorsitz von Oberbürgermeister Dr. Ulrich Maly einstimmig beschlossen. Hinter der Gruppe steht ein ehemaliger syrischer Militärfotograf mit dem Decknamen „Caesar“. „Caesar“ und seine Mitstreiter wollen dafür sorgen, „dass die dokumentierten Menschenrechtsverbrechen nicht straflos bleiben. Dafür nahmen sie große Gefahren auf sich“, so die Jury in ihrer Begründung. Die zwölfte Verleihung der mit 15 000 Euro dotierten Auszeichnung findet am Sonntag, 24. September 2017, im Nürnberger Opernhaus statt.

„Caesar“ lebt heute versteckt in Europa und wird den Preis nicht persönlich entgegennehmen können. Der im Januar 2014 erschienene Bericht einer Untersuchung, die von ehemaligen Chefanklägern internationaler Strafgerichte geführt wurde, bestätigte, dass seine „Beweise verlässlich waren und in jedem nachfolgenden Prozess ohne Risiko verwendet werden könnten“. Human Rights Watch bestätigte die Echtheit der Fotos in dem im Dezember 2015 veröffentlichten Bericht „Wenn die Toten sprechen könnten. Massenmorde und Folter in syrischen Gefängnissen.“ „Mit der Entscheidung für ‚Caesar‘ knüpft die Jury an das Erbe von Nürnberg an: Schwere Menschenrechtsverletzungen dürfen nicht straffrei bleiben. Die Täter müssen sich vor Gericht verantworten“, betonte Oberbürgermeister Dr. Ulrich Maly bei der Bekanntgabe der Entscheidung.

Nach dem Ausbruch des Bürgerkriegs 2011 hatte „Caesar“ den Auftrag, Leichen von zu Tode gefolterten Oppositionellen zu fotografieren und die Bilder zu archivieren. Die Aufnahmen dienten dem Regime als Beweis, dass die Befehle zur Tötung tatsächlich ausgeführt worden sind. Bis zu seiner Flucht mit seiner Familie im August 2013 kopierte er die Bilder, die er außer Landes brachte – mit dem Ziel, die Verbrechen an den Gefangenen, die ihn nicht mehr losließen, an die Öffentlichkeit zu bringen. Insgesamt handelt es um über 50 000 Fotos, darunter 28 000 Bilder von Gefangenen, die in syrischen Gefängnissen durch Folter, Hinrichtungen, Krankheit, Unterernährung oder andere Misshandlungen getötet worden waren. Die Aufnahmen wurden im Januar 2014 im Internet veröffentlicht.

Die Jury spricht ihre „Anerkennung auch der Entschlossenheit und Beharrlichkeit der investigativ tätigen französischen Journalistin Garance Le Caisne aus“. Nachdem sie von den Fotos erfahren hatte, recherchierte sie monatelang und konnte über einen Vertrauten „Caesars“ Kontakt zu ihm aufnehmen. Aus den Interviews mit ihm und weiteren ehemaligen syrischen Häftlingen entstand ihr Buch „Codename Caesar. Im Herzen der syrischen Todesmaschinerie“, das die systematische Folter in Syrien dokumentiert. Ihr Ziel war es, eine genaue Studie der Verbrechen vorzulegen, die eines Tages als Grundlage für ein Verfahren vor einem internationalen Gerichtshof dienen soll. „Mit der Verleihung des Internationalen Nürnberger Menschenrechtspreises an die ‚Gruppe Caesar‘ will die Jury auch an die Geschichte Nürnbergs als Wiege des modernen Völkerstrafrechts anknüpfen“, wie es in der Begründung weiter heißt.

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