Letting Culture in!

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Die internationale Tagung "Letting Culture in" reflektiert die Bedeutung von Kunst und Kultur für den Erhalt leerstehender Baudenkmäler. Sie bündelt theoretische Perspektiven und praktische Erfahrungen auf Fach-, Verwaltungs- und Initiativebene. Gleichzeitig ist sie der feierliche Abschluss des zweiten EU-Projektes des Amtes für Kultur und Freizeit in Sachen kulturelle Leerstandsbelebung. Dieses Engagement war Baustein der praktischen Belebung der Kulturwerkstatt auf AEG und des Nordgartens im Z-Bau sowie Motor der fortwährenden Diskussion um kulturelle Ermöglichungsräume.

Ankündigung

Kulturelle Projekte an verlassenen Orten können als Schlüsselfaktoren für den Erhalt von baulichem Erbe und städtischen Transformationsprozessen, hin zu neuem Leben und urbaner Diversität, fungieren. Jedoch müssen Kulturakteure, Verwaltungen, Eigentümer und Initiativen auch mögliche prekäre Effekte, wie beispielsweise Gentrifizierung, Festivalisierung oder das Vereinnhamen kreativer Räume ohne ein soziales Gewissen, bedenken. Sich diesen Herausforderungen bewusst zu werden, ist der erste Schritt in Richtung einer zukunftsorientierten Revitalisierung kulturellen Erbes. Wie lässt sich aber ein Gleichgewicht zwischen den ökonomischen, ökologischen, historischen und kulturellen Dimensionen von Wiederbelebungsprojekten erreichen, das die nachhaltige Stadt langfristig im Blick behält? Dieser Frage widmet sich die internationale Tagung "Letting Culture in".

Datum: 25.9.2019
Ort: Z-Bau, Frankenstraße 200, 90461 Nürnberg
Sprachen: Deutsch & Englisch, Simultanübersetzung
Kosten: Freier Eintritt
Anmeldung: Um Anmeldung bis zum 20. September wird gebeten
Kontakt: Amt für Kultur und Freizeit, Maria Trunk, Kontaktformular
Zielgruppen: Verwaltung, Politik, Private Eigentümer, Initiativen, Spezialisten der Stadtentwicklung, Stadtplanung, Architektur, Soziologie, Kulturwissenschaften und Kunst
Veranstalter: Amt für Kultur und Freizeit, Stadt Nürnberg
Unterstützt von: N2025 Kulturhauptstadtbewerbungsbüro und Urban Lab

Programm 

9:30-10:00 Uhr Eröffnung: Prof. Julia Lehner, Kulturreferentin der Stadt Nürnberg; Illaria Pittaluga, Leitende Koordinatorin des Projektes FORGET HERITAGE, Amt für Stadtmarketing und Kultur der Stadt Genua; Maria Trunk, Projektkoordinatorin des Projektes FORGET HERITAGE, Amt für Kultur und Freizeit der Stadt Nürnberg

10:00-11:15 Uhr Panel 1: Bruchzonen der (Bau)Kultur: Dr. Jörg Skriebeleit (angefragt, Leiter der KZ Gedenkstätte Flossenbürg), Thomas Kaestle (Kulturwissenschaftler, Hannover)

11:30-12:30 Panel 2: Vom Experiment zur Verstetigung: Hannah Kordes (Architektin, Linz), Gunnar Grandel (Urbanist, Wien)

13:30-14:45 Podiumsdiskussion: Die Tragödie urbaner Gemeingüter überwinden -  Strategien zur Förderung kultureller Ermöglichungsräume jenseits kultureller Affirmation, historischer Vernachlässigung, Gentrifizierung, Festivalisierung und rein okönomisch gesteuerter Kreativraumschaffung. Moderation: Hanna Rentschler, Urbanistin.

Debattierende: Prof. Hans-Joachim-Wagner, Leiter des Kulturhauptstadtbewerbungsbüros der Stadt Nürnberg, sowie Hanna Kordes & Gunnar Grandel (Referenten des Panel 2)

Anschließend Ausklang im Nordgarten und optionale Z-Bau-Führung ab 15:30.

Begleitausstellung: Vibrant Voids, 8 Projektansätze zur Belebung von leerstehendem Baukulturerbe in Europa > Urbane Brachen können sich wandeln in Orte mit positiven Effekten für Städte und ihre Bewohner. Diese Ausstellung gibt Einblick in die Vielfalt, Herausforderungen und übertragbaren Elemente der jeweiligen Ansätze.

Details

Modul 1 Bruchzonen (bau)kulturellen Erbes

Dr. Jörg Skriebeleit (Leiter der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg): Forget Memory!

Die Frage, was an Orten von Gewaltgeschichte und Massenmorden adäquat ist, stellt sich immer wieder und in den letzten Jahren fast hypertroph. Spielen „Orte“ in einer digitalen Welt überhaupt noch eine Rolle? Falls ja, wie sollte man mit ihnen umgehen? Gesellschaftspolitisch befinden wir uns längst in einem post-memorialen Zeitalter. Scheinbar paradoxerweise führt dies aber zur Gründung und Etablierung von immer noch mehr Erinnerungsorten.

Jörg Skriebeleit studierte Empirische Kulturwissenschaft und Europäische Ethnologie an der Universität Tübingen und der Humboldt-Universität zu Berlin. Am Zentrum für Antisemitismusforschung der TU Berlin promovierte er über den Erinnerungsort Flossenbürg, an dem er seit 1996 mitarbeitet. Seit Dezember 1999 ist er der Leiter der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg. Er schrieb zur Geschichte des Lagers und leitete eine grundlegende Neukonzeption der Gedenkstätte ein. Für eine gelebte Erinnerungskultur und eine tolerante, weltoffene Gesellschaft engagiert er sich unter anderem auch im Aktionsbündnis „Weiden ist bunt“. Für sein Engagement wurde Skriebeleit 2013 mit dem Verdienstkreuz am Bande geehrt. 2014 wurde die Gedenkstätte für den Europäischen Museumspreis nominiert. 2016 erhielt er die Bayerische Verfassungsmedaille in Silber.

Thomas Kaestle (Kulturwissenschaftler, Hannover): Der Rahmen als Kunst: Strukturen für kulturelle Ergebnisoffenheit

Kultureller Fortschritt ist oft schwer vereinbar mit den Bedingungen kommunaler Verwaltung. Kultur braucht gedankliche und stadträumliche Leerstellen, darf jedoch nicht der Beliebigkeit überlassen werden. Wie lassen sich Projekte, die über den Status Quo hinausgehen – also zunächst Unerhörtes, Undenkbares, Unpassendes – jenseits des Zwangs zu unmittelbarer Nachvollziehbarkeit und Darstellbarkeit begünstigen?

Als Kulturwissenschaftler ist Thomas Kaestle seit dem Jahr 2017 Gründungsmitglied des Expertenbeirats für Kunst im Stadtraum der Landeshauptstadt Hannover. Als Kunstvermittler betreut er für deren Kulturamt das entsprechende Programm "Kunst umgehen". Er ist Herausgeber interdisziplinärer Reader und Autor wissenschaftlicher, essayistischer und journalistischer Texte zu Kultur, Stadt und Kulturpolitik.

Modul 2 Vom Experiment zur Verstetigung

Hannah Kordes (Architektin, Linz): Recht auf Land in der Stadt - Was kann man vom Leisenhofareal lernen?

Seit sechs Jahren befindet sich das Linzer Leisenhofensemble im Transformationsprozess. Es werden Strategien diskutiert, die prozesshaft entwickelt wurden, um die Verwertungslogiken des Eigentümers (Diözese) zu lenken und die holistischen Potentiale, wie die angrenzenden Garteninitiativen als grüne Lern- und Begegnungsorte zu sichern.

Hannah Kordes ist ausgebildete Architektin und engagiert sich für die gemeinwohlorientierte Nutzung von Raumressourcen und die Beteiligung vielfältiger Menschen an Planungsprozessen. Im Rahmen ihrer kulturwissenschaftlichen Doktorarbeit forscht sie nach Strategien zur Sicherung ländlicher Qualitäten im städtischen Raum - das Leisenhofareal dient ihr hierbei als konkretes Fallbeispiel.

Gunnar Grandel (Urbanist, Wien): Was bleibt am Place of Importance?

Unter dem Titel Place of Importance aktivierten 2017 Geflüchtete und Studierende der TU Wien den Design-Build-Campus OPENmarx im Süden Wiens. Ein "urbanistisch-ethnografischen Experiment" untersucht diesen interdisziplinär-künstlerischen Aktivierungsprozess und arbeitete Faktoren der Verstetigung heraus.

Gunnar Grandel befasst sich aus unterschiedlichen Perspektiven mit den Möglichkeiten zivilgesellschaftlicher Initiative in der Stadt. Aus einem planerisch-wissenschaftlichen Blickwinkel geschieht dies aktuell nach dem Studium der Urbanistik an der Bauhaus-Universität Weimar als wissenschaftlicher Mitarbeiter bei GABU Heindl Architektur | Städtebau und im Raumplanungsstudium an der TU Wien. Die Arbeit im Kollektiv Raumstation (Weimar/Berlin/Wien) eröffnet durch Interventionen, Installation und aktivierende Prozesse dazu eine künstlerisch-aktivistische und ganz praktische Perspektive.

Announcement

Letting Culture in!
Heritage Sites as Cultural Enabling Spaces
Transnational Experiences, Cooperative Approaches

Cultural projects at vacant urban spaces have the potential to be key factors of heritage preservation and an essential part of spatial urban transformation processes towards the development of new life and diversity. However, cultural operators, administrations and initiatives have to consider precarious effects like gentrification, festivalization and creative place making without social conscience.
Being beware of these challenges is the first step towards future-oriented cultural heritage revitalization. But how to find the equilibrium of economic, environmental, social, historical and cultural dimensions of revalorization projects with the sustainable city in mind?

25.9.2019 // Z-Bau, Nürnberg
German & English
Free Entrance / Please register until 20th September
With exhibition „Vibrant Voids“
Registering contact and more information in English: Department for Culture and Leisure, Maria Trunk, Contact

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